Großraumbüros machen krank

Dass die Arbeit im Großraumbüro krank macht und die Produktivität sinkt ist inzwischen durch Studien belegt. Dennoch sind Großraumbüros auf dem Vormarsch, denn Immobilienentscheidungen werden häufig nur unter kurzfristig erwarteten betriebswirtschaftlichen Einsparaspekten getroffen.

Bereits 2009 belegte der australische Forscher Vinesh Oommen mit seinem Team in einer Metastudie zu Bürogestaltungen und fand heraus, dass 90 Prozent der in Großraum arbeitenden Beschäftigten über negative Einflüsse auf die körperliche und psychische Gesundheit berichten.

Wissenschaftler der Uni Stockholm stellten fest, dass Beschäftigte in Großraumbüros besonders häufig krank werden. Im Schnitt fehlten sie fast doppelt so häufig wie ihre Kollegen in kleineren Büroeinheiten. Zu einer ähnlichen Erkenntnis kommt jüngst eine Schweizer Studie, für die 1230 Angestellte in 125 Betrieben befragt wurden. Auch britische Forscher fanden heraus, dass das Wohlbefinden von Angestellten, die auf engstem Raum im Großraumbüro arbeiten, um 32 Prozent abnimmt und ihre Arbeitsproduktivität um 15 Prozent. Bemerkenswert ist die Diskrepanz zwischen der Verbreitung von Großraumbüros und ihrer Beliebtheit in den USA. 60 Prozent aller Amerikaner arbeiten in sogenannten Cubicle-Office, das sind Einzelboxen auf engstem Raum im Großraumbüro. 93 Prozent der Betroffenen finden das schrecklich.

Arbeitsmediziner warnen vor psychischen und gesundheitlichen Schäden

Als besonders belastend empfinden die Betroffenen den hohen Geräuschpegel, die Reizüberflutung und das Gefühl ständig überwacht zu werden. Auch technische Einrichtungen wie Lüftung, Beleuchtung und Raumtemperatur führen häufiger zu Krankheiten. Betroffene leiden unter
•    körperlichen Beschwerden wie Reizungen der Augen, Kopfweh, Müdigkeit
•    Konzentrationsschwierigkeiten
•    hohem Lärmpegel u. a. verursacht durch andere Kolleg/-innen
•    mangelnder Privatsphäre
•    dem Gefühl von Entwertung
•    steigender Fehlerhäufigkeit
•    geringer Produktivität und Motivation
•    höherem Konfliktpotenzial
•    höherer Ansteckungsgefahr bei Krankheiten etc.

Besonders der hohe Lärmpegel schadet unterschwellig die Gesundheit. Er führt bei vielen Betroffenen zu Dauerstress und verursacht u. a. Bluthochdruck, steigende Herzfrequenz und erhöhtem Herzinfarktrisiko. Die mangelnde Privatsphäre und das Gefühl von permanenter Kontrolle kann bis hin zu Identitätsverlust führen.

Großraumbüros rechnen sich nicht

Gerne werden den Beschäftigten die Vorteile für Bürokonzepte mit der Bezeichnung „Open-Space“ positiv dargestellt. Kommunikation und Zusammenarbeit würden sich verbessern. Für Tätigkeiten mit hohem Konzentrationsbedarf werden sogenannte „Thinktanks“ zur Verfügung gestellt. Offene Fläche oder Glastrennwände sorgen für Transparenz. Bei berufliche Tätigkeiten mit einem hohen Koordinierungs- und Abstimmungsbedarf können Großraumbüros durchaus sinnvoll sein. Doch in der Regel steckt hinter diesem „Cost-effective-design“ ausschließlich das Einsparen von teuren Raumflächen. Durch das Weglassen von Raumteilern und Verkleinerung der Arbeitsflächen werden Kosten gespart. Auch die soziale Kontrolle ist von Arbeitgebern durchaus gewollt.
Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass die Kostensenkungen durch effizientere Nutzung der Büroflächen, schnell durch steigende Fehlzeiten und sinkende Produktivität der Mitarbeitenden aufgefressen werden. Ein Nullsummenspiel.

Organisationale Resilienz stärken

Im Bereich der Arbeitsorganisation wird in jüngerer Zeit das Konzept der sogenannten organisationalen Resilienz diskutiert. Hierunter sind Gestaltungsprinzipen zu verstehen, die es Unternehmen/Organisationen ermöglichen, effizient auf Veränderungen wie Nachfragespitzen, Kundenreklamationen, Lieferkettenschwankungen oder Störungen im Arbeitsablauf zu reagieren. Großraumbüros, wie oben beschrieben, belasten die Mitarbeitenden jedoch zusätzlich. Diese Form der Bürogestaltung ist für viele nicht geeignet, den hohen Anforderungen durch die genannten Veränderungen Stand zu halten. Ganz im Gegenteil. Dies gelingt nur dann, wenn die Bedürfnisse der Menschen an ihre Arbeit und ihre Arbeitsumgebung berücksichtigt werden.

Vielmehr müssen Unternehmen/Organisationen sich damit beschäftigen, wie die negativen Effekte schwankender Umgebungsanforderungen auf die psychische Gesundheit der Beschäftigten kompensiert werden können. Sie sollten im Vorfeld genau analysieren (lassen), ob es unbedingt ein Großraumbüro sein muss. Und sie sollten dafür Sorge tragen, in Zusammenarbeit mit ihren Beschäftigten, eine Arbeitsumgebung zu schaffen, die den gesicherten arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen entspricht und die psychischen und körperlichen Belastungen senkt.

Arbeit im Gleichgewicht unterstützt Unternehmen/Organisationen, mit dem Beratungs- und Personalentwicklungskonzept businesscare dabei, die organisationelle Resilienz zu stärken. Wissenschaftlich fundierte Arbeitsplatzanalysen, bedarfsgerechte Handlungsempfehlungen sowie kompetente Begleitung bei der Umsetzung sorgen dafür Fehlzeiten, zu reduzieren und die Arbeitszufriedenheit und Produktivität der Beschäftigten zu steigern.

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