Interessierte Selbstgefährdung

Immer mehr Beschäftigte arbeiten freiwillig über ihre Belastungsgrenzen hinaus. Insbesondere Führungskräfte sind von diesem Phänomen betroffen. Obwohl es ihre Gesundheit gefährdet leisten sie Überstunden, sind auch in der Freizeit über Handy und E-Mail zu erreichen, nehmen den Laptop mit in den Urlaub und arbeiten, wenn sie krank sind. Die Rede ist von der interessierten Selbstgefährdung. Sie stellt ein potentiell hohes Risiko für die Betroffenen selbst aber auch für Unternehmen/Organisationen dar. Letztere stehen vor dieser Herausforderung und können dem nur entgegenwirken, indem sie ein ganzheitliches partizipatives betriebliches Gesundheitsmanagement implementieren.

Potenzielle Symptome für eine interessierte Selbstgefährdung bei der Arbeit

•    Aus eigenem Antrieb trotz Krankheit zur Arbeit kommen um Erfolg nicht zu gefährden oder Kollegen/Kunden nicht „hängen zu lassen“.
•    Zugunsten der Arbeit auf Freizeitaktivitäten verzichten.
•    Nach der Arbeit nicht abschalten können.
•    Arbeiten länger als 12 Stunden.
•    Das Gefühl, auch dann noch nicht genug getan zu haben.
•    Verzicht auf Privatleben.
Wenn Beschäftigte keine Rücksicht auf die eigene Gesundheit und das eigene Wohlergehen nehmen führt das früher oder später zu körperlichen und psychischen Überlastungssymtomen, steigenden Fehlzeiten und Burnout.

Wie kommt es zur  interessierten Selbstgefährdung?

Indirekte Steuerungssysteme wie Führen durch Zielvereinbarungen (Management by objectives), die Einführung von Profit-Centern, die Orientierung an Benchmarks etc. erhöhen den Erfolgsdruck und übertragen mehr unternehmerische Verantwortung auf die Beschäftigten. Diese achten zunehmend darauf, dass sich die eigene Arbeit für das Unternehmen rentiert, während früher der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens eine reine Managementaufgabe war.

Verstärkt wird dieser Druck durch Androhung der Schließung von Werksteilen bei Nichterreichung von Renditezielen mit Hinweisen auf Globalisierung, Kostendruck oder die Erwartungen der Shareholder. Als entscheidende Veränderung entsteht für die Mitarbeiter/-innen eine neue Doppelrolle: Einerseits sind sie abhängig beschäftigt mit nur begrenzten Handlungs- und Entscheidungsspielräumen, andererseits werden sie für die wirtschaftlichen Erfolge des Unternehmens/der Organisation mit verantwortlich gemacht.

Managementkonzepte führen zu psychischen Belastungen und Beanspruchungen

Betroffene berichten, dass sie selbst dann, wenn sie ein solches Problem erkannt haben und darunter leiden, keinen Weg zur Veränderung finden. Selbst Seminarangebote zum Zeit- und Stressmanagement oder einem gesundheitsförderlichen Führungsstil reichen nicht aus. Diese Veränderungen führen vermehrt zu psychischen Belastungen und Beanspruchungen. Sie sind mittlerweile nicht mehr nur in der Privatwirtschaft, sondern auch in Non-Profit-Organisationen und der öffentlichen Verwaltung zu finden.

Ungesunde Entwicklungen in Unternehmen/Organisationen

Folgende psychischen Beanspruchungen sind charakteristische für diese Veränderungen in Unternehmen/Organisationen:
1.    Konflikte zwischen fachlichem und unternehmerischem Gewissen: Etwa wenn Pflegekräfte persönliche Zuwendung zu Patienten reduzieren müssen, da die veranschlagte Zeitdauer und die Personaldecke dies nicht mehr zulassen.
2.    Schuldgefühle: Mitarbeiter/-innen erleben sich selbst als Mitverursacher des zunehmenden Leistungsdrucks.
3.    Innere Zerrissenheit:  Leisten von Überstunden oder Arbeiten bei Krankheit aus eigenem Antrieb, um den eigenen Erfolg zu sichern.
4.    Gruppendruck: Leistungsschwächere und Erkrankte sind nicht gern gesehen.
5.    Mangel an offener Kommunikation über Belastungen, nicht funktionierende Rückmeldeprozesse, Vereinzelung: Gefühle von Vereinzelung und individuellem Versagen nehmen zu. Schwächen werden verheimlicht, psychische Belastungen werden tabuisiert, was zählt sind Erfolgsgeschichten! Auch in anonymen Mitarbeiterbefragungen werden beschönigende Angaben gemacht, weil negative Konsequenzen befürchtet werden.

Diese Prozesse führen in Unternehmen/Organisationen zu Realitätsverlust, innerbetriebliche Rückmeldeprozesse funktionieren nur noch unzureichend, die Produktivität und Marktposition kann dadurch langfristig gefährdet werden.

Ganzheitliches partizipatives betriebliches Gesundheitsmanagement

Die neuen Managementkonzepte sind aus Unternehmenssicht erfolgreich und produktivitätssteigernd. Deshalb wird diese Entwicklung nicht zurückzuschrauben sein. Vielmehr müssen die bekannten negativen Nebenwirkungen beachtet und analysiert werden, die sich insbesondere in einer Zunahme von psychischen Belastungen, Fehlzeiten und sinkender Produktivität äußern kann. Wer aber aus Angst vor Misserfolg oder in der Hoffnung auf Erfolg die Risiken für die eigene Gesundheit ignoriert, wird zum operativen Risiko.
Quelle: A. Kause, C. Dorsemagen, K.Peters, Interessierte Selbstgefährdung: Was ist das und wie geht man damit um? In: HR Today Das Schweizer Human Ressources Management-Journal, 4/2010.

Gesundheit am Arbeitsplatz muss seitens des Managements einen hohen Stellenwert erhalten und mit nachhaltigen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung unterstützt werden.

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