Teufelskreis Mobbing

Mobbing ist nach wie vor ein Thema in viele Unternehmen und Organisationen, auch wenn Mobbing in der Öffentlichkeit immer noch tabuisiert wird. Dass das so ist zeigt der schnelle Umgang mit dem Begriff Mobbing von Menschen, die sich in einer sehr konflikthaften Situation befinden. Sie beschreiben damit ihren Ohnmachtszustand, weil sie das Gefühl haben, Opfer der Umstände zu sein. Das bedeutet, sie fühlen sich der Situation nicht gewachsen, klein und in ihr Kind-Ich zurückversetzt. Geht man in die Problem-Analyse, stellt sich häufig heraus, dass die Betroffenen aufgrund ihres Selbstbildes oder ihres geringen Selbstwertgefühls nicht fähig sind, Grenzen zu setzten und sich zu behaupten. Statt sich zu wehren ziehen sie sich in die Opferrolle zurück und geben die Verantwortung an andere ab.

Wesentliche Kriterien für Mobbing

Mobbing im eigentlichen Sinne ist

  • ein Geschehensprozess,
  • in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art,
  • wiederholt und über einen längeren Zeitraum,
  • gegen einzelne Personen vorgenommen werden.

Diese Handlungen werden als

  • Angriff, Beeinträchtigung, Erniedrigung und
  • als Verletzung der eigenen Persönlichkeit empfunden.

Der ungebremste Verlauf führt dazu, dass

  • Betroffene ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt und geschädigt bekommen.
  • Betroffene ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz erfahren.
  • die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden.

Am Ende führt das dazu, dass

  • die Betroffenen ihren beruflichen Wirkungskreis verlieren,
  • die Betroffenen komplett aus dem Arbeitsprozess heraus fallen.

Das fatale am Mobbing ist, dass während des Prozesses kontinuierlich destruktive Handlungen erfolgen sowie gezielt Handlungen unterlassen werden, wie zum Beispiel das Unterschlagen von Informationen.

Mobbinghandlungen

Mobbing oder Psychoterror am Arbeitsplatz liegt vor, wenn eine Person von einer oder mehreren operativ beschriebenen Handlungen betroffen ist, und zwar systematisch mindestens einmal die Woche über einen Zeitraum von mindestens einem halben Jahr. Hier finden Sie eine Auswahl von Mobbinghandlungen:

1. Angriffe auf die Möglichkeit, sich mitzuteilen:

  • Man wird ständig unterbrochen
  • Anschreien oder lautes Schimpfen
  • Ständige Kritik an der Arbeit oder am Privatleben
  • Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten

2. Angriffe auf die sozialen Beziehungen:

  • Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
  • Versetzung in einen Raum weitab von Kollegen
  • Man wird wie Luft behandelt

3. Angriffe auf das soziale Ansehen:

  • Hinter dem Rücken des/der Betroffenen wird schlecht über ihn/sie gesprochen
  • Man macht sich über die Person in jeglicher Hinsicht lustig
  • Man beurteilt den Arbeitsansatz in falscher und kränkender Weise
  • Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote

4. Angriffe auf die Qualität der Berufs- und Lebenssituation:

  • Man weist dem/der Betroffenen keine Arbeitsaufgaben zu
  • Man gibt ihm/ihr ständig neue Aufgaben
  • Man gibt dem/der Betroffenen Arbeitsaufgaben, die seiner/ihre Qualifikation übersteigen, um ihn/sie zu diskreditieren

5. Angriffe auf die Gesundheit:

  • Zwang zu gesundheitsschädlichen Arbeiten
  • Androhung körperlicher Gewalt 
  • Sexuelle Handgreiflichkeiten

Den ausführlichen Katalog können Sie hier downloaden.

Dieser Katalog ist nicht abschließend. Er wird jedoch als allgemeingültiges Werkzeug zur Analyse von Mobbing genutzt. Allerdings sind einzelne, destruktive Handlungen aus diesem Katalog, wie zum Beispiel eine ruppige Redeweise mit dem Betroffenen, Aufbauschen von Fehlern oder Beleidigung und Demütigung im Beisein Dritter, noch kein Beweis für Mobbing. Vielmehr können solche Schikanen durch Vorgesetzte oder Kollegen erste Anzeichen dafür sein. Umso wichtiger ist es, dass sich Betroffene frühzeitig zur Wehr setzen, wenn sie solche Anzeichen wahrnehmen. Sobald sie die Opferrolle verlassen, sich Hilfe und Unterstützung suchen verlieren die Mobbingtäter ihre Macht und der Teufelskreis wird durchbrochen. Dabei hilft eine gut enwickelte Resilienz die persönliche Widerstandskraft – mit der Menschen Krisen und schwierige Situationen meistern. Resilienz befähigt Menschen sich gut abzugrenzen, stärkt das Selbstbewußtsein und hilft dabei wertschätzend und achtsam mit sich und anderen umzugehen.

Hilfe für Betroffene

Sollten Sie das Gefühl haben, dass Sie gemobbt werden, raten wir Ihnen unverzüglich professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Solche Hilfe finden Sie innerhalb Ihres Betriebes, Ihrer Dienststelle oder Ihrer Organisation unter anderem bei der Personalabteilung, der Interessenvertretung wie Betriebs- oder Personalrat, dem Betriebsarzt oder anderen Vertrauenspersonen. Darüber hinaus gibt es professionelle Hilfe und Unterstützung bei Psychologen, in Kliniken, Beratungsstellen und ehrenamtlichen Einrichtungen.

Wir bieten Ihnen professionelle Hilfe in Form von Resilienzcoaching und Resilienztrainings  an. Sprechen Sie uns erne an.   Kontakt

In diesem Zusammenhang möchten wir auf unseren Partner Netzwerk der Mobbing-Selbsthilfegruppe aufmerksam. Hier haben sich auf internationaler Ebene mehrere Mobbing-Selbsthilfegruppen zusammen geschlossen, mit dem Ziel Betroffene zu beraten, das Thema öffentlich zu machen und Mobbingopfern eine Stimme zu geben.